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Einer der Höhepunkte des Festes war sicherlich der Vortrag von unserem
Gründungspräses Pfarrer i.R. Franz Stams.
Auf vielfachen Wunsch haben wir hier die Rede zum Nachlesen.

Zum vierzigjährigen Bestehen der
Schützenbruderschaft in Birken- Honigsessen 2008
Liebe
Schützenschwestern und Schützenbrüder.
Meine Damen und
Herren.
Alte Liebe rostet
nicht... Auch nicht, wenn das Leben die Haare grau färbt und den
Krückstock unvermeidlich macht.
Ähnlich ist es –
wie ich vermute- mit der Beziehung zwischen vielen von Ihnen und mir.
Sie ist zwar älter geworden, aber nicht verrostet.
Das wird
verständlich, wenn wir – z.B. heute- kurz in unserer gemeinsamen
Vergangenheit blättern.
Als damals der
Geist des 2. Vatikanischen Konzils anregend und manchmal aufregend durch
die katholische Weltkirche wehte, war auf der Birkner Höh` eine große
Bereitschaft zur religiösen und kirchlichen Erneuerung spürbar. Viele
Christinnen und Christen erkannten „die Gunst der Stunde“ als
entscheidend für die Zukunft unserer Gemeinde. Deshalb wollten sie keine
Restauration der so genannten „guten, alten Zeit“, sondern eine
zeitgemäße und zukunftsträchtige Erneuerung des kirchlichen
Lebens. Mit anderen Worten: Sie suchten nach einer Glaubensbotschaft und
einer Glaubenspraxis, die tatsächlich mit ihrem Welt- und
Lebensverständnis zu tun hatte.
Jugendliche
machten damals den Anfang.
Ihr Bedürfnis nach
menschenfreundlicher Bindung und religiöser Bildung war groß.
Bald danach
folgten die Frauen.
Sie wünschten sich
eine eigene, strukturierte Gemeinschaft und gründeten im Januar 1968 die
katholische Frauengemeinschaft. Schon 2 Monate später zählte sie 450
Mitglieder. Wenn es um neues Leben geht, haben Frauen ja viel
Erfahrung!
Ob die Männer
eifersüchtig auf die Vitalität der Frauen waren, weiß ich nicht.
Jedenfalls besuchten mich einige Monate später zwei Männer, die die
Gründung einer Schützenbruderschaft anregten. Auch ihr Wunsch wurde bald
Wirklichkeit: Nach einem ausführlichen Informationsabend, fand Ende
Oktober 1968 eine Versammlung statt, die mit viel Begeisterung die
heutige Schützenbruderschaft ins Leben rief. Hundert Männer trugen sich
schon an diesem Abend als Mitglieder der St.
Hubertus-Schützenbruderschaft ein.
Meine Damen und
Herren.
Der Titel
„Bruderschaft“ wurde damals bewusst gewählt, weil wir an eine
brüderliche Gemeinschaft dachten.
Selbstverständlich
ist eine solche Gemeinschaft kein konfliktfreies Gebilde. Das wäre
unrealistisch. Aber sie bemüht sich wohl, ein einmütiges Miteinander und
Füreinander zu schaffen und zu pflegen. Und genau das ist – wie wir alle
aus eigener Erfahrung wissen – eine unentbehrliche Lebensqualität! Denn
mehr als alles andere im Leben braucht der Mensch – jeder Mensch –
zwischenmenschliche Beziehungen, vertrauensvolle Bindungen, ja, Liebe!
Ganz gewiss in unserer kälter und anonymer werdenden Gesellschaft.
„
Wenn wir uns nämlich nicht mehr auf Begegnungen einlassen
–
schreibt Martin Buber – verlieren wir
einen entscheidenden Teil des Lebens. Es ist so, als ob wir aufhören zu
atmen.“
Deshalb soll die Schützenbruderschaft
eine Gemeinschaft von Frauen und Männern sein, die ein
menschenfreundliches Kommunikations- und Fürsorgenetz miteinander
und für andere zu knüpfen versuchen. Denn genau das war und ist
noch immer eine Herzensanliegen Jesu!
Deshalb geht es in seiner Kirche nicht
an erster Stelle um ein steriles System von Rechten und Pflichten oder
um stramme Rechtgläubigkeit. Nein! In der Kirche Jesu geht es vor allem
um die Menschwerdung und das Menschsein des Menschen, aller Menschen.
Mit anderen Worten:
Eine Kirche, die sich an ihren Ursprung
erinnert, offenbart und fördert das Einzige, das der Mensch ein Leben
lang sucht, nämlich die Liebe als die schönste und meist geheimnisvolle
Kraft in der Geschichte der Menschheit.....
Deshalb bildet die Liebe den
Kern der Botschaft Jesu vom Reich Gottes: Sein Reich ist ein Reich von
Menschen, die auf Menschlichkeit, ja auf Menschenfreundlichkeit bedacht
sind........
Also gehört es zur Glaubenspraxis einer
christlichen Bruderschaft, immer wieder zu versuchen, diese
Spiritualität der Menschenfreundlichkeit zu verwirklichen.
Das Schützenideal: Glaube, Sitte,
Heimat bietet dafür konkrete Orientierungshilfen.
Liebe Schützenschwestern und
Schützenbrüder!
Ich danke allen dafür, die in den
vergangenen 40 Jahren durch menschenfreundliche Feste und Dienste das
kirchliche Leben und somit das Reich Gottes heilsam oder heilend
mitgestaltet haben.
Und ich hoffe, das ihr auch in der
Zukunft auf das Schalom, das Wohl der Kirche, bedacht sein werdet.
Das ist dringend geboten!
Denn die Kirche von heute – und das ist
nicht bloß ein „heiliger Rest“ von Kirchenmitgliedern – wir alle müssen
zukunftsträchtige Wege des Christ- und Kirchesein suchen und zu gehen
wagen.
Ein bequemes Nichtstun oder eine
ängstliche Flucht in die Vergangenheit – auch wenn sie als
„Kirchentreue“ propagiert wird- macht das kirchliche Leben für viele
Menschen unserer Zeit weder lebenswert noch einladend.
Eine neue Weltsicht braucht nämlich
eine neue Glaubenssicht und Glaubenspraxis!
Genau das meinte ja Papst Johannes
XXIII als er das „Aggiornamento“, das „Heutigwerden der Kirche“ als
Leitmotiv und Ziel des Konzils verkündete.
Deshalb träume ich noch stets von einer
Kirche als offenes Haus und nicht als Getto für
Vergangenheitssüchtige.
Ja, ich träume noch immer von einer
weitherzigen Kirche- sprich Pfarrgemeinde- die (wie Jesus) niemand
ausschließt, sondern sich liebevoll allen Menschen zuwendet,
besonders den Suchenden, Zweifelnden und den vielen Bedrängten aller
Art.
In diesem Sinne wünsche ich der
Schützenbruderschaft und der ganzen Gemeinde – mit der ich mich immer
noch herzlich verbunden fühle- eine vitale Kultur der
Menschenfreundlichkeit nach Jesu Art!
Schalom!
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